Von Friede, Freude und Eierkuchen

Sind Eier eigentlich ein gesundes Lebensmittel? Mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt, bevor und während ich in guter Gesellschaft diese Vollwert-Quiche gebacken habe (Rezept wie immer am Beitragsende). Ich freue mich, wenn ihr mich auf dieser Reise in die Biochemie des Gehirns begleitet.

Mittlerweile ist es ein wohlbekannter Fakt, der häufiger im Nebensatz erwähnt wird, dass das Eigelb mehr Eiweiß enthält als das Eiweiß. Eiweiß ist also das Gelbe vom Ei (Badumm Zzzzz).

Aber welche Eiweiße sind denn da drin?

Ich habe mich hier insbesondere mit einer ganz bestimmten Aminosäure aus dem Hühnerweiß-Spektrum beschäftigt, dem Tryptophan. Denn nach einer elektrophilen Substitution am Aromaten sowie einer kleinen Decarboxylierung entsteht aus Tryptophan Serotonin. Bevor wir hier tiefer ins Fach einsteigen, einige Fakten zumSerotonin

 

Serotonin ist chemisch betrachtet ein so genanntes N-heterocyclisches, aromatisches, biogenes Amin. Das heißt nichts anderes, dass es einen Sechsring mit einer bestimmten Kombination elektronischer Eigenschaften, eine Aminogruppe und einen Fünfring mit Stickstoff drin hat. Und in lebenden Organismen vorkommt. Womit das Molekül vollständig beschrieben ist. Biologisch betrachtet ist Serotonin ein so genannter Mediator. Es vermittelt zwischen verschiedenen Zellen des Organismus, z.B. zwischen verschiedenen Nervenzellen oder den Blutgefäßen.

Seinen Namen hat dieser schöne Stoff dank seiner Wirkung im Herz-Kreislauf-System, wo es im Serum eine spannungssenkende Komponente darstellt, also den Tonus der Gefäße ändert. Viel bekannter ist Serotonin aber als Botenstoff oder auch Neurotransmitter, der stimmungsaufhellend wirkt.

Wie funktioniert das?

In unserem Gehirn existieren Rezeptoren, also so etwas wie Satellitenschüsseln, die nur Serotonin empfangen können. Je mehr Serotonin dort „andockt“, desto mehr der üblichen Symptome eines hohen Serotoninspiegels zeigen wir.

Ein niedriger Serotoninspiegel führt zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Ängsten oder sogar Angstzuständen, Bluthochdruck, Magen-Darm-Problemen und Depressionen.

Allerdings kommt Serotonin nicht immer einfach so genau dort an, wo wir es haben wollen. Deshalb ist der Verzehr serotoninhaltiger Lebensmittel nicht eben zwingend an eine Stimmungsaufhellung geknüpft. Wir nehmen es auf, verdauen es, es wird oxidiert und über den Harn wieder ausgeschieden. Ohne Wirkung.

Antidepressiva auf Serotoninbasis enthalten deshalb einen Stoff, der vorübergehend die Rezeptoren für Serotonin mit einem Ersatzstoff blockiert, sodass der Körper von selbst mehr Serotonin produziert, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Man spricht an dieser Stelle auch gern von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (Englisch: Selective serotonine reuptake inhibitor, kurz SSRI).

Außerdem empfiehlt es sich, Lebensmittel zu sich zu nehmen, die eine Vorstufe des Serotonins enthalten, die Aminosäure L-Tryptophan. Wie das chemisch genau funktioniert, seht ihr unten im Bild.

Wesentlich festzuhalten ist also, dass chemisch betrachtet Hühnereier glücklicher machen als Schokolade, und das kommt jetzt von einer, die man mit Schokolade SEHR glücklich machen kann.

Serotoninsynthese

Und jetzt, wo das Wesentliche über Serotonin bekannt ist, möchte ich noch kurz das Wort an diejenigen richten, die gerade nicht genügend Serotonin haben:

Ich möchte, dass ihr wisst, dass ich weiß, was ihr durchmacht. Ich habe das alles selbst erlebt und tue es noch – aber nur noch von Zeit zu Zeit. Wie ihr diesem Problem beikommt, sei euch überlassen, da führen viele Wege nach Rom, aber bitte erinnert euch immer wieder daran, dass das vorbeigeht. Nur weil heute der Tag schlecht war oder der ganze Monat einfach nur Mist gebracht hat, muss der nächste das nicht auch tun. Gebt euch und dem Tag eine Chance, ihr habt es verdient. Ich weiß, dass sich das so anfühlt, als würde es nie wieder besser werden und als müsstet ihr das jetzt aussitzen. Aber das müsst ihr nicht. Nicht mal heimlich. Holt euch Hilfe oder besser noch – helft euch selbst. Niemand ist zu schlecht, zu alt, zu jung, zu groß, zu klein, zu dick oder zu dünn um für sich selbst zu sorgen.

Hier kommt noch das Rezept für die Quiche. Bis wir uns wiedersehen, bleibt sicher. Danke fürs Lesen.

Zutaten

Für den Teig:

1 Ei

200 g  Roggenmehl

100 g Butter

1 Prise Salz

Für die Füllung:

50 g Joghurt

150g Creme Fraîche

4 Eier

4 große Zwiebeln

400 g  Hackfleisch (Rind)

Knoblauch

Muskat

Pfeffer

Paprika, rosenscharf

Salz

Alle Zutaten für den Teig miteinander zu einem Mürbeteig verkneten und etwa 30 min im Kühlschrank ruhen lassen.

Zwiebeln und Hackfleisch in der Pfanne scharf anbraten.

Eier, Creme fraîche, Joghurt und Gewürze miteinander verrühren.

Den Teig ausrollen und in der gefetteten Springform gut andrücken. Zwiebeln und Hackfleisch einfüllen und mit der Eimasse übergießen.

Im Backofen ca. 30 min bei 200°C backen (bis die Maillard-Reaktion abgelaufen ist).

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